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 Vorläufer: Kirchenchor der Marienkirche Hanau

 

Leiterin von 1933 bis 1967: die Organistin Frau Erika Scharlau-Fortun (1913-1982)

Parallel dazu gab es einen Kirchenchor in der Kreuzkirche Hanau, der in den letzten Jahren vor 1967 von Dr. Karl-Christian Buschbeck geleitet wurde. Mit Errichtung der A-Stelle an der Marienkirche wurde der Kirchenchor der Kreuzkirche aufgelöst. Einige Mitglieder dieses Kirchenchores wechselten zur Kantorei an der Marienkirche.

 

• 01. September 1967  Errichtung einer A-Stelle Kirchenmusik an der Marienkirche

  Übernahme der A-Stelle durch KMD Gerhard Holzner

  Gründung der Kantorei an der Marienkirche

 

Es war im Jahre 1967: Die durch den Krieg zerstörte Innenstadt von Hanau war größtenteils wieder neu errichtet. Das Stadtzentrum hatte die Funktion als Verwaltungs-, Wirtschafts- und Kulturzentrum zurück gewonnen, eine Funktion, die der nicht zerstörte Vorort Kesselstadt unmittelbar nach dem Krieg übernommen und bis weit in die 50-er Jahre hinein wahrgenommen hatte. Dies betraf auch das kirchliche und kirchenmusikalische Geschehen. Die zerstörten Kirchen in Hanau waren wieder aufgebaut und neue, zusätzliche errichtet worden. Die Kirchenmusik, die nach dem Krieg in der nicht zerstörten Friedenskirche in Kesselstadt eine Zuflucht gefunden hatte, wo Orgel- und Chorkonzerte stattgefunden hatten und sogar Oratorien (z.B. Matthäus- und Johannespassion von J. S. Bach) aufgeführt worden waren, erlebte einen starken Rückgang. Die Kantoren und Organisten der Nachkriegsjahre Gottfried Breidenbach, Peter Schumann und Reinhold Finkbeiner, die in Kesselstadt gewirkt hatten, waren entweder verstorben oder hatten eine A-Organistenstelle in Heidelberg bzw. Frankfurt übernommen. Es war die Wirtschaftswunderzeit. Die Hanauer Industrieunternehmen expandierten. Hanau wurde, wenn man einmal von Kassel absieht, zum größten Kirchensteuerzahler der Landeskirche.

 

1967 gab es an der Marienkirche einen Kirchenvorstand, der viel von Musik hielt und dem viel an der Pflege der Kirchenmusik lag. Den Bemühungen dieses Kirchenvorstandes gelang es, bei der Landeskirche in Kassel durchzusetzen, dass zum 1. September 1967 an der Marienkirche, der zentralen evangelischen Kirche in Hanau, eine hauptamtliche A-Organistenstelle eingerichtet wurde. Am gleichen Tag wurde Gerhard Holzner in sein Amt als Kantor und Organist an der Marienkirche Hanau eingeführt.

 Gerhard Holzner wurde in Linz an der Donau geboren, hat in Berlin studiert, wo u.a. Ernst Pepping und Gottfried Grote seine Lehrer waren. Er machte 1957 sein A-Examen an der Hochschule für Musik in Berlin und wirkte danach bis 1967 als Kantor und Organist an der Alten Nikolaikirche in Frankfurt. Eine Aufgabe für Gerhard Holzner war die Gründung von einer Kantorei. Zunächst umfasste der Chor nur wenige Sängerinnen und Sänger. Doch dann ergab sich ein glücklicher Umstand. Die Kreuzkirche hatte einen Kirchenchor mit Mitgliedern, die aus ganz Hanau kamen und vorwiegend zur Familie, zur Verwandtschaft und zum Freundeskreis des damaligen Dekans Karl Buschbeck gehörten. Die Leitung hatte dessen Sohn Karl Christian Buschbeck. Dieser Chor, meist junge Sängerinnen und Sänger, hatte den Wunsch auch größere Werke zu singen. Man beschloss daher, sich dem neu gegründeten Chor der Marienkirche anzuschließen. Schon wenige Wochen nach dem Amtsantritt von Gerhard Holzner sang die Kantorei, die zunächst ein Gemeindechor war, im Gottesdienst in der Marienkirche. Die Qualität des Gesangs sprach sich herum und bald war der Chor auf rund 30 Sängerinnen und Sänger angewachsen. Große Konzerte konnten bei dieser Besetzung allerdings noch nicht durchgeführt werden. Deshalb war in den ersten drei Jahren die Gestaltung der Gottesdienste die Hauptaufgabe für die Kantorei. So wurden fast monatlich Musik- oder Kantate-Gottesdienste abgehalten. Zur Aufführung kamen nicht nur Choralsätze sondern auch viele Motetten von Heinrich Schütz, Johann Hermann Schein, Ernst Pepping, Hugo Distler, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johannes Brahms und von anderen sowie Kantaten von J. S. Bach. Aus Kostengründen wurden die Kantaten häufig nur mit minimaler Orchesterbesetzung (Orgelpositiv und Continuo-Streicher) ausgeführt. Es machte Spaß mitzusingen, und so wuchs die Kantorei innerhalb von drei Jahren auf ca. 60 Mitglieder, die nicht nur aus Hanau sondern auch aus der Umgebung, aus dem Landkreis und aus dem Gebiet um Alzenau kamen. Infolge der Auflösung des Oratorienchores Hanau e.V. gewann die Kantorei zusätzliche Mitglieder, die zum Teil heute noch in der Kantor

eingeführt.

So wurden fast monatlich Musik- oder Kantate-Gottesdienste abgehalten. Zur Aufführung kamen nicht nur Choralsätze sondern auch viele Motetten von Heinrich Schütz, Johann Hermann Schein, Ernst Pepping, Hugo Distler, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johannes Brahms und von anderen sowie Kantaten von J. S. Bach. Aus Kostengründen wurden die Kantaten häufig nur mit minimaler Orchesterbesetzung (Orgelpositiv und Continuo-Streicher) ausgeführt. Es machte Spaß mitzusingen, und so wuchs die Kantorei innerhalb von drei Jahren auf ca. 60 Mitglieder, die nicht nur aus Hanau sondern auch aus der Umgebung, aus dem Landkreis und aus dem Gebiet um Alzenau kamen. Infolge der Auflösung des Oratorienchores Hanau e.V. gewann die Kantorei zusätzliche Mitglieder, die zum Teil heute noch in der Kantorei mitsingen.

 

Nun war es möglich, auch große Werke einzustudieren. Für Gerhard Holzner war es ein Anliegen, zunächst die grandiosen Werke von Johann Sebastian Bach zur Aufführung zu bringen. So ist es nicht verwunderlich, dass das Programm der Konzerte in den ersten Jahren neben vielen Bach-Kantaten das Weihnachtsoratorium, die Johannespassion, die H-Moll-Messe sowie die Matthäuspassion umfasste, manche dieser Werke auch mehrfach, zunächst nur ein Teil, ein paar Jahre später komplett. Doch nach einigen Jahren standen auch Werke von anderen Komponisten im Mittelpunkt der Konzerte. Hier seien zu nennen: Messen von Haydn, Mozart und Schubert, das Requiem D-Moll von Mozart sowie das Deutsche Requiem von Johannes Brahms. Ein besonderer Höhepunkt war die gemeinsame Aufführung des Messias sowohl in Hanau wie in Frankfurt zusammen mit den Kantoreien der Neuen St. Nicolai-Kirche und der Johanniskirche aus Frankfurt.

 

Problematisch waren die Platzverhältnisse in der Marienkirche. Solange die Kantorei nur wenige Mitglieder umfasste und allenfalls ein kleines Orchester spielte, war genügend Platz auf der alten Orgelempore, wie sie in der Kirche vor dem Umbau im Jahre 2002 vorhanden war. Doch als die Kantorei größer wurde, musste man eine Aufstellung in der Nähe des Altares suchen. Ein Ausweichen in den Chorraum war aus Gründen der Akustik nur eine Notlösung.

 

Winter 1974/75

Anfertigung der Schallwand

Um die klanglichen Verhältnisse zu verbessern, fertigten daher Mitglieder der Kantorei in einer großen Aktion unter Anweisung des damaligen Küsters Werner Jakob eine zerlegbare Schallwand, ähnlich der, die jahrelang in der damaligen Stadthalle bei Konzerten auf der Bühne genutzt wurde. Sie wurde hinter dem Altar aufgestellt. Mit dieser Schallwand war jedoch das Stellproblem für den Chor noch nicht gelöst. Da die Stufen rund um den Altar zur Aufstellung von einem größeren Chor wenig geeignet waren, wurde in einer zweiten Aktion wiederum durch Mitglieder der Kantorei eine Serie von angepassten Podien geschaffen, um gestaffelte, ebene Flächen zu erzielen. Wegen der eingeschränkten Anzahl an Sitzplätzen in der Marienkirche mussten allerdings einige der größeren Konzerte in der Christuskirche stattfinden.

 Im Rahmen des Umbaus der Kirche im Jahre 2002, der notwendig wurde, um Platz für die neue Orgel zu schaffen, wurde auch die Empore durch eine größere ersetzt und damit die Platzprobleme entschärft.

 

Ergänzend zur Kantorei wurden von Gerhard Holzner ein Kammerchor und ein Kinderchor gegründet. Die Blütezeit dieses Kinderchores lag in den 70-er Jahren. Viele dieser Kinder verstärkten anschließend bis zu ihrem Studium oder ihrem Wegzug aus Hanau die Kantorei.

 

Wanderung im Spessart im Frühjahr 1981 mit Gesang in einer kleinen Kapelle bei Kempfenbrunn

 

Sommerfest im Ski- und Kanu-Club an der Kinzig im August 1982

 

Wanderung im Spessart

im Frühjahr 1992

 

Wichtig für die Arbeit der Kantorei war auch die Pflege der zwischenmenschlichen Beziehungen. So wurde natürlich nach jedem Konzert gemeinsam gefeiert. Ergänzend wurde jedes Jahr mindestens einmal gewandert. Daneben gab es Faschingsfeiern sowie Sommerfeste, mit Grillen und Bootsfahrten in einem Clubhaus an der Kinzig, organisiert von Dieter Könekamp.

 

Nach Erreichen des 65. Lebensalters begann für Gerhard Holzner zum Jahreswechsel 1995/1996 der Ruhestand. Bei seinem letzten großen Konzert am 3. Dezember 1995 wurde noch einmal die H-Moll-Messe aufgeführt. Ein großer Erfolg! Doch in den Monaten davor gab es neben den Proben für das Konzert noch etwas anderes zu tun. Ein Nachfolger für Herrn Holzner musste gesucht werden. Aus der Menge der Bewerber kamen drei in die engere Wahl. Sie mussten u.a. Testproben mit dem Chor durchführen. Der Chor und auch der Kirchenvorstand entschieden sich mit großer Mehrheit für Christian Mause. Diese Entscheidung war, wie sich bald herausstellte, sehr gut für die Kantorei und die Kirchenmusik in Hanau.

 

Am 1. Januar 1996 begann Christian Mause seine Tätigkeit als Kantor und Organist der Marienkirche und gleichzeitig als Stadtkantor. Christian Mause wurde in Mannheim geboren, hat in Frankfurt am Main an der Staatlichen Hochschule für Musik studiert u.a. Orgel bei Martin Lücker sowie Chorgesang bei Wolfgang Schäfer. Daneben machte er auch die Ausbildung als Orgelsachverständiger. Nach der A-Prüfung wurde er 1993 hauptamtlich kirchen-musikalischer Assistent des Baden-Württembergischen Landeskantors Hermann Schäffer in Mannheim, von wo aus er als Chorleiter und Organist in Mannheim und Darmstadt tätig war und dort bereits große Oratorien einstudierte und leitete.

 

Mit dem neuen Leiter der Kantorei verlagerte sich zunächst einmal der Schwerpunkt der Kantoreiarbeit etwas weg von Bach. So wurden von Haydn die Schöpfung und die Jahreszeiten, von Händel der Messias, von Mendelssohn-Bartholdy Elias, von Puccini die Messa di Gloria sowie von Dvorák Stabat Mater und die Messe in D-Dur aufgeführt. Daneben gab es Konzerte mit Werken von moderneren Komponisten wie Poulenc, Tippett, Schönberg, Honegger, Duruflé und Bernstein. Genannt werden soll auch die Aufführung der Carmina Burana von Carl Orff im Rahmen der Landesgartenschau 2002 im Amphitheater beim Schloss Philippsruhe.

Unvergessen bleiben auch gemeinsame Aufführungen mit anderen Kantoreien, so das Requiem von Verdi in Hanau und Karlsruhe, das Oratorium Paulus von Mendelssohn-Bartholdy in Hanau und Bad Soden/Taunus, ganz besonders aber das War Requiem von Benjamin Britten im Jahre 2005 gemeinsam mit russischem und englischem Chor sowie Orchester mit zwei Aufführungen in Hanau sowie je einer in Jaroslawl in Russland und einer in Exeter in England. Aber auch Bach kam nicht zu kurz: Alle großen Oratorien und einige Kantaten kamen unter Christian Mause zur Aufführung, und dies mit jeweils begeistertem Beifall. Daneben sangen Kantorei oder Kammerchor auch häufig im Gottesdienst.

War-Requiem in Jaroslawl  05.- 08.05.2005

 

War-Requiem  in Exeter  17.-19.06.2005

 

Während unter Gerhard Holzner im allgemeinen jährlich ein großes Konzert und mehrere kleine stattfanden, waren es unter Christian Mause mindestens zwei große Konzerte. Dies lag sicherlich im starken Maße an einer Intensivierung der Probenarbeit. Mit dem jungen Kantor Christian Mause strömten sehr bald eine Menge junger Leute in die Kantorei zum Mitsingen. Eine deutliche Verjüngung trat ein. Unter diesen neuen Mitgliedern waren auch einige mit einer Ausbildung als Schulmusiker und Chorleiter. Hier sind zu nennen Frank Hagelstange, Bernhard Hammerschick, Katja Hoffmann, Gerda Kahl und Diana Mause. Dies war von großem Nutzen, denn diese Personen übernahmen zeitgleich in getrennten Räumen bei neuen Werken das Einstudieren der einzelnen Stimmen. Da hierdurch Wartezeiten für die nicht betroffenen Stimmen entfielen, wurde die Effizienz der Probenarbeit der Kantorei, die sich anschließend wieder zum gemeinsamen Singen zusammenfand, beträchtlich gesteigert. Den „Hilfskantoren“ und Christian Mause, der dieses Verfahren eingeführt hat, sei bei dieser Gelegenheit herzlich gedankt. Nur durch diese Methode ist es möglich, in diesem Jubiläumsjahr drei große und so unterschiedliche Werke wie das Magnificat von Bach, die doppelchörige Messe von Louis Spohr sowie von Claudio Monteverdi die diffizile, in der Vielstimmigkeit ständig wechselnde Marienvesper in drei getrennten Konzerten zur Aufführung zu bringen.

 

Die Kantorei hat sich in den zurückliegenden 40 Jahren zu einem leistungsstarken Chor entwickelt. Die Mitglieder sind unterschiedlicher Konfession und aus der ganzen Region. Von den derzeit rund 80 Mitgliedern stammen nur etwa die Hälfte aus Hanau und seinen Stadtteilen. Die übrigen kommen aus dem Landkreis, aus dem Gebiet um Alzenau und sogar aus Frankfurt. Zwischen den Mitgliedern herrscht eine herzliche, freundschaftliche Atmosphäre, die dem zielstrebigen und doch sehr angenehmen Wesen von Christian Mause zu verdanken ist. Das „Gesellige Beisammensein“, das in regelmäßigen Abständen stattfindet, sowie gemeinsame Wanderungen tragen hierzu bei.

 

Abschließend sei der Kantorei und ihrem Leiter für die kommenden Jahrzehnte alles Gute und viele weitere schöne, erfolgreiche Konzerte gewünscht.

 

Ludwig Kahl

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