Instrumente in der Marienkirche

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Die Instrumente in der Marienkirche

Grenzing-Orgel

 

Gedanken zum Instrument von Bezirkskantor Christian Mause

 

Die Königin der Instrumente – die Orgel – mit ihren vielfältigen klanglichen Möglichkeiten, die kein anderes Instrument bietet. Vor etwa 500 Jahren gab es die letzten bahnbrechenden Erfindungen und Verbesserungen im Orgelbau, die bis heute immer noch Gültigkeit haben. Gerade die Orgel in der Marienkirche zu Hanau ist nach den Gesetzen und Prinzipien der traditionellen Orgelkunst gebaut und wird uns ihre Güte und Qualität noch nach etlichen Menschengenerationen unter Beweis stellen.

 

Foto: www.grenzing.com

Gerhard Grenzing, ein deutscher Orgelbauer, der vor etwa 35 Jahren nach Spanien ausgewandert ist, um dort einen Orgelbau- und Restaurationsbetrieb zu gründen, hat mit der Marienkirchenorgel ein multifunktionales Instrument geschaffen. Sie ist einerseits in der Lage, die „Alte Musik“ der Barockzeit etwa von Bach und Buxtehude nebst der französischen und italienischen Orgelkunst von François Couperin und Girolamo Frescobaldi darstellen zu können, andererseits bietet ihr breites klangliches Spektrum die Möglichkeit, deutsche und französische Romantik von beispielsweise Max Reger und César Franck adäquat wiederzugeben.

 

Im hellenistischen Alexandria soll im dritten vorchristlichen Jahrhundert das Werk(-zeug) „Organon“ von dem griechischen Ingenieur Ktesebios erfunden worden sein. Cicero hatte bei einer Reise das Wunderwerk kennen und schätzen gelernt. Mit größter Selbstverständlichkeit reiht er daher deren Klänge unter die orientalischen Luxusgüter ein, wie ein seltenes Parfüm oder eine erlesene Speise. Später erklang das Renommeeobjekt zu Ehren des Staates und des Kaisers Konstantin, der seine Würde aus Gottes Hand empfangen hatte und diese Würde in feierlichen Audienzen und Zeremonien zum Ausdruck brachte.

 

Im Jahre 757 schenkte der byzantinische Kaiser Konstantin dem fränkischen König Pippin eine Orgel. Die Handwerker Karls des Großen sollen heimlich versucht haben, dieses mehr und mehr begehrte Statusobjekt zu kopieren und nachzubauen. Ludwig dem Frommen, dem dritten Sohn Karls des Großen, kam im Jahre 826 zu Ohren, ein Priester namens Georg könne Orgeln bauen. Er ließ diesen sofort in seine Dienste nehmen und stellte ihm Geld und Material in reichem Maße zur Verfügung. Ungeheuer stolz war man nach gelungener Fertigstellung. Ermold der Schwarze, Dichter und Vertrauter des Königs Pippin, dichtete zu Ehren Ludwigs des Frommen: „Auch die Orgel, welche in Frankreich gänzlich unbekannt war, auf welche sich das stolze griechische Reich allzusehr etwas einbildete, und um deretwillen Konstantinopel wähnte, Dir, Ludwig, überlegen zu sein: Jetzt hat sie auch der Palast zu Aachen.“

 

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass der erste abendländische Orgelbauer ein Priester war. Denn nur Angehörige des geistlichen Standes hatten damals das nötige technische Wissen, um einen solch komplizierten Apparat wie eine Orgel zu verstehen. So erklärt sich vielleicht auch, warum die Orgel in die Kirche gekommen – und zum allgemein gebräuchlichen Gottesdienst-Instrument geworden ist: Der Priester Georg wird sein Können an Schüler tradiert haben, die wie er Priester oder Mönche waren und die gleichsam den Wunsch verspürten, ihre kostbaren Instrumente in der Kirche aufzustellen und zur Ehre Gottes Orgelmusik erklingen zu lassen. Um das Jahr 1000 hatten fast alle Kirchen mit Bischofssitz Orgeln.

Ein Gottesdienst unserer Tage ohne qualitätvolle Orgelmusik, die sowohl den Gemeindegesang fördert als auch Stimmungen des Gottesdienstes wiederzugeben vermag, die nur schwerlich in Worte zu fassen sind, ist wie das fehlende Salz in der Suppe. Kein geringerer als Martin Luther berichtet in seinem Weihnachtslied „Vom Himmel hoch …“ von der „guten Mär“, von der zunächst gesungen, dann erzählt werden soll („… davon ich singen und sagen will“.

 

Auch konzertant ist die „würdige Dame“ – etwa im Rahmen der Gottesdienstreihe „Motette in Marien“ oder innerhalb des „Hanauer Orgelfrühlings“ – immer wieder zu hören. Besonders gerne biete ich für ein interessiertes Auditorium Orgelführungen an, bei denen ich selbst immer wieder feststelle, wie fasziniert heutzutage Menschen von dem Instrument sind. Ferner freut es mich immer wieder, wenn Orgelbesichtigungskommissionen von weither kommen, um die Hanauer Grenzing-Orgel zu bestaunen. Wir, die Marienkirchengemeinde, ich als Kantor und alle, die sich vor etwa zehn Jahren um die Finanzierung des kostspieligen Instrumentes gesorgt haben, sind nunmehr sehr stolz darauf, ein Juwel zu besitzen, das klanglich und technisch richtungsweisend ist und sich zudem optisch hervorragend in den Kirchraum integriert.

 

Christian Mause

 

 

 

 

Das sagen wir selber

 

Besonders stolz sind wir natürlich auf unsere Grenzing-Orgel. Ein Instrument, das in Hanau und Umgebung im Hinblick auf Klangqualität, Tonumfang, Spielbarkeit, Präsenz und Raumfülle seinesgleichen sucht. Seit ihrer Installation in der Marienkirche im Jahre 2004 hat die Orgel in unzähligen Gottesdiensten und Konzerten die Kirchenbesucher in ihren akustischen Bann gezogen. Die Leichtigkeit des heiteren Spiels, die Dramatik emotionsgeladener, gewichtiger Moll-Läufe und -Akkorde sowie die filigrane Zartheit wispernder Pianissimo-Sequenzen verführen sowohl den die Manuale bedienenden Spieler als auch die gebannt lauschenden Zuhörer im Kirchenschiff.

 

Die zum Teil ausladende Fülle klassischer Werke ist ohne Weiteres vereinbar mit der in vielen Fällen pragmatischen Klarheit und schwertönigen Musik zeitgenössischer Komponisten. Die Grenzing-Orgel in der Hanauer Marienkirche bietet für alle Anforderungen an groß angelegte und raumfüllende Klangerlebnisse die beste technische Basis.

 

Wir freuen uns sehr, dass wir mit diesem wunderbaren und einzigartigen Instrument die Gläubigen und alle anderen Besucher in eine farbenfrohe Tonwelt entführen können. Foto: Reinhard Dietrich

 

 

Firma Grenzing Orgelbau beschreibt die Orgel in der Marienkirche

 

Die im Jahre 2004 fertiggestellte Grenzing-Orgel ersetzt das Vorgängerinstrument, das mit nur 30 Jahren den gestellten Ansprüchen in keiner Weise gerecht wurde. In ihr soll ein hoch angesetztes städtisches Kulturprojekt in künstlerischer wie musikalischer Hinsicht dargestellt werden.

 

Das Instrument hat in einer vielseitig genutzten Kirche zahlreiche Aufgaben zu erfüllen. Von der Liturgie über Solisten- und Chorkonzerte bis zur Aufführung sinfonischer, auch zeitgenössischer Musik. Um das sehr große, aber kompakte Instrument in angemessener Weise innerhalb der Kirche zu platzieren und gleichzeitig Raum für eine große Sängerempore zu lassen, wurden zwei neue Emporen gebaut und die Decke erhöht.

 

Ein zeitgenössischer Gehäuseentwurf und eine moderne direkte und sensible Spielanlage mit mechanischer und elektrischer Registertraktur formten die konzeptionelle Grundlage.

 

Das Instrument verfügt über eine klassische Faltenbalganlage und ein innovativ angelegtes Schwellwerk, das in seiner Effizienz selbst die Wirkung romantischer Schweller überbietet.

 

Die persönlich angelegte Intonation reflektiert klangliche Konzepte der romantischen Orgel. (Quelle und Foto: www.grenzing.com)

 

 

 

Lesen Sie, was die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Jahre 2004 direkt nach Einbau und Inbetriebnahme der Grenzing-Orgel berichtete.

 

Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

 

Neue Orgel für Marienkirche in Hanau

HANAU. Imposant und dennoch scheinbar luftig-leicht erhebt sich die neue Orgel der Marienkirche - ganz so, als wäre sie schon immer an dieser Stelle gewesen. Paßgenau erhebt sich die neue Kuppeldecke über dem Instrument, dessen metallen schimmernde Pfeifen gerade den letzten Schliff erhalten.

HANAU. Imposant und dennoch scheinbar luftig-leicht erhebt sich die neue Orgel der Marienkirche - ganz so, als wäre sie schon immer an dieser Stelle gewesen. Paßgenau erhebt sich die neue Kuppeldecke über dem Instrument, dessen metallen schimmernde Pfeifen gerade den letzten Schliff erhalten. Die Bauarbeiter räumen die letzten Gerüste weg, und im Chorraum laufen schon die Vorbereitungen für den Einweihungsgottesdienst.

 

Architekt Rainer Krebs, zuständig für Planung und Realisierung des Kirchenumbaus, macht einen letzten Gang über die Empore, sein Blick bleibt an einer kleinen, aber weißleuchtenden Kamera hängen, die sich hell von der dunklen Betondecke abhebt. Kurzerhand wird beschlossen, dort mit Pinsel und Farbe noch einmal Hand anzulegen. Unterdessen arbeitet scheinbar unbeeindruckt vom Trubel Orgelbauer Gerhard Grenzing an Registern und Pedalen, läßt beim Stimmen des gewaltigen Instrumentes erahnen, wie es sein wird, wenn Kantor Christian Mause die Orgel morgen nachmittag erstmals für die Öffentlichkeit in ihrer ganzen klanglichen Vielfalt präsentieren wird.

 

Vom Rand des Chorraums, der übrigens mit seiner Fertigstellung im Jahr 1492 das älteste Bauwerk der Hanauer Altstadt ist, kann der Besucher mit einem Blick die ganze Orgel erfassen. Dabei verfallen die meisten zunächst dem optischen Irrtum, es handele sich um eine gleichmäßige symmetrische Anordnung der Orgelpfeifen. Erst die genauere Betrachtung läßt erkennen, daß die Orgel in Stufen gleichsam wie eine Himmelsleiter nach oben strebt. Diese symbolträchtige Gestaltung findet ihren biblischen Gegenpart in der "Jakobsleiter", die im Traum des Urvaters Jakob eine Verbindung zwischen Himmel und Erde geschaffen hatte. Diese Passage, so der Pfarrer der Marienkirche, Horst Rühl, wird auch seine Predigt des Einweihungsgottesdienstes bestimmen.

 

Die zeitgemäße Gestaltung des Orgelprospekts, die Stirnansicht des Instruments, durch Simon Platt paßt sich gut in die moderne Bauweise ein, mit der Architekt Krebs den Raum für das neue Instrument geschaffen hat. Das Dach wurde vier Meter angehoben, die Empore ragt in den Kirchenraum hinein. Viele Sichtbeton-Flächen mit umlaufenden Metallgeländern prägen das Erscheinungsbild. Pfarrer Rühl ist sich bewußt, daß die Entscheidung für diese moderne Ausprägung des Umbaus und des Orgelprospekts auch Kritiker finden wird. Doch er sieht darin eine gelungene Neuerung, die den nächsten Generationen ein Spiegelbild der heutigen Zeit vermitteln kann.

 

Quelle: FAZ, AKTUALISIERT AM 12.03.2004-20:53 FAZ

Truhenorgel

 

Nicht immer ist es notwendig, die große Grenzing-Orgel zum Einsatz zu bringen. Zahlreiche Konzerte, die zu bestimmten Anlässen oder im Rahmen der Motette-in-Marien-Reihe gegeben werden, erfordern einen subtileren, einen leichten und gemäßigten Orgeleinsatz, erst recht, wenn es darum geht, im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten ein harmonisches Klangbild zu erzeugen.

 

Für diese Gelegenheiten hat die Marienkirche Hanau mithilfe des Förderkreises eine Truhenorgel erworben. Das Instrument aus der Werkstatt des tschechischen Orgelbauers Daniel Přib in Prag wurde in den Jahren 2011/2012 gebaut und im Jahre 2012 fertiggestellt. Die Außenmasse betragen 93 x 116 x 58 cm, Höhe / Breite / Tiefe. Sämtliche Pfeifen sind im Gehäuse integriert.

 

Die Orgel hat einen wunderbar warmen, satten Klang, der sich äußerst harmonisch mit sämtlichen anderen Instrumenten in Orchestern oder kleineren Instrumentalensembles verbindet. Niemals aufdringlich, aber immer sehr präsent und tonführend verschmilzt der schwebende Klang der Truhenorgel mit anderen Instrumenten und der menschlichen Stimme.

 

Die Anschaffung der Přib‘schen Truhenorgel war ein Meilenstein in orchestralen und instrumentalen Ausstattung der Marienkirche Hanau.

 

Nachfolgend gibt es noch ein paar Informationen für Spezialisten, die sich mit den „persönlichen“ Daten einer Orgel auskennen:

 

Die Orgel besitzt drei aus Holz hergestellte Register: Gedeckt 8‘, Gedeckt 4‘, Principal 2‘ (mit Stimmblechen aus Blei). Die großen Pfeifen sind aus Fichtenholz, die kleineren aus einem Obstgehölz gefertigt. Bei den größeren Weichholzpfeifen sind die Labien aus Eichenholz eingesetzt. Der Manualumfang reicht von C bis zu d3. Das Instrument hat zudem eine Transponiermöglichkeit im Verschieben der Tastatur (a1=415/440/465 Hz). Da es für das große C nur eine Pfeife gibt, muss beim Transponieren die Pfeife entsprechend angepasst werden. Das Instrument ist bei allen Temperaturen stimmbar. Die Mechanik besteht aus einem einarmigen Tastenhebel mit Stechermechanik. Die Tasten sind an ihren hinteren Enden mit Pergament gelagert. Die Untertasten sind mit Buxbaum, die Obertasten mit Ebenholz belegt. Das elektrische Gebläse ist in das Gehäuse integriert. Ein Keilbalg (Magazinbalg) versorgt die Pfeifen mit lebendigem Wind. Das Gehäuse ist aus massiver Eiche mit herausnehmbaren Schleierbrettern zu allen Seiten. Die Manubrien sind links unter der Tastatur angebracht und lassen sich leicht bedienen. Die Spielbarkeit der Traktur ist, bedingt durch die einarmige Traktur, besonders leicht und empfindlich.

Der gedeckte 8‘ verfügt über eine hervorragende Tragfähigkeit. Der 4‘ hellt dieses solide 8‘-Fundament auf, ohne aufdringlich zu sein. Der Principal 2‘ klingt alleine in den zwei tiefen Oktaven wie ein typisch italienischer Principal und gibt dem Pleno wie auch nur dem 8‘ einen zarten Glanz ohne übertrieben aufzutragen.

Flügel

 

Im Jahre 2010 wurde mit erheblichen Mitteln des Förderkreises der Hanauer Kantorei ein gebrauchter Flügel für die Marienkirche angeschafft. Das schwarz polierte C7-Instrument der Firma Yamaha aus dem Jahre 1983 misst eine Länge von 227 cm, verfügt seit der Neuintonation über einen kräftigen, sonoren Bass, über eine ausdrucksstarke Mittellage und einen singenden Diskant.

 

Dar wundervolle Flügel wird zu Kammermusik-Motetten zur Begleitung der Chöre und teilweise zur Begleitung von Liedern im Gottesdienst eingesetzt. Da er die Stimmung gut hält, machen ihm die unterschiedlichen, jahreszeitlich bedingten klimatischen Bedingungen in der Kirche nur wenig aus. Wir schätzen uns sehr glücklich, dass uns ein solch wundervolles Instrument für die Umsetzung unserer kirchenmusikalischen Projekte zur Verfügung steht.

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